BART-Test: MIC-Diagnose im Sprinklertank

  • Korrosionsverursachende Bakterien zuverlässig nachweisen – und gezielt eindämmen
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Christian Engelke

Christian Engelke

Christian ist Gründer von Sprinklertank-Inspektion.de und Inspektionsexperte. Seit 2017 hat er sich auf die Inspektion enge und schwer erreichbare Räume mit Unterwasserdrohnen spezialisiert – von Sonderbauwerken über Prozessanlagen bis zu industriellen Tanks.

Inhaltsverzeichnis In diesem Artikel:

Warum MIC im Sprinklertank getestet werden sollte

Mikrobiell induzierte Korrosion (MIC) ist eine der aggressivsten und am häufigsten unterschätzten Schadensursachen in Sprinklertanks. Schwarze Beläge, punktförmiger Lochfraß, schleimige Biofilme an Antiwirbelplatten, fauliger H₂S-Geruch beim Öffnen des Mannlochs – all das sind sichtbare Hinweise. Das eigentliche Problem läuft jedoch unsichtbar unter Sedimenten, Biofilmen und Beschichtungen ab. Wer nur auf das Schadensbild reagiert, ist meist schon zu spät dran.

Ausführliche Hintergründe zu den beteiligten Bakteriengruppen, Mechanismen und typischen Schadensstellen haben wir im Artikel Korrosion in Sprinklertanks: Ursachen, MIC & Diagnose beschrieben. Hier geht es darum, wie sich MIC messbar nachweisen lässt – und welche Maßnahmen nach einem positiven Befund tatsächlich greifen.

Das weltweit verbreitetste Feldtestsystem zum Nachweis korrosionsverursachender Bakterien ist der BART-Test (Biological Activity Reaction Test). Er zeigt, welche Bakteriengruppen aktiv im Tankwasser vorhanden sind – nicht nur als DNA-Spur, sondern stoffwechselaktiv. Genau diese aktiven Populationen sind es, die Lochfraß, Schleimbildung und Versauerung im Tank verursachen.

Wir setzen den BART-Test als ergänzendes Diagnoseverfahren im Rahmen der Sprinklertank-Inspektion mit Unterwasserdrohne ein. Die Probenahme erfolgt direkt vor Ort am Tank, ohne Entleerung und ohne Betriebsunterbrechung der Sprinkleranlage.

Mikrobiell induzierte Korrosion (MIC) im Sprinklertank – Lochfraß und schwarze Sulfid-Beläge

MIC in Stahl- vs. Betontanks – wo das Risiko wirklich liegt

MIC tritt grundsätzlich in beiden Tankbauarten auf – aber Häufigkeit, Aggressivität und Schadensbild unterscheiden sich erheblich. Wer das Risiko eines konkreten Tanks einordnen will, muss zuerst den Tanktyp betrachten.

AspektStahltanks (oberirdisch)Betontanks (unterirdisch)
Häufigkeit von MICSehr hoch – HauptrisikoMittel bis hoch
Typische SchädenLochfraß (Pitting), Rost, schwarzer Schlamm (SRB), Durchrostung am BodenBewehrungskorrosion, Risse, Carbonatisierung, Ablagerungen
UrsachenStehendes Wasser, Sauerstoff + Bakterien (SRB, IRB, APB), Temperaturschwankungen, KondensatFeuchtigkeit, Sulfate im Beton, SRB in anaeroben Zonen, Undichtigkeiten
Biofilm-BildungSehr gut – Metalloberfläche und Sauerstoffgradient als IdealbedingungenGut, aber poröser Beton ermöglicht tieferes Eindringen
InspektionLeichter zugänglich (Unterwasserdrohne, visuell)Schwieriger – meist unterirdisch, eingeschränkte Sicht

Warum Stahltanks häufiger betroffen sind

  • Blanker Stahl bietet ideale Bedingungen für sulfatreduzierende Bakterien (SRB) – sie produzieren H₂S und verursachen aggressiven Lochfraß.
  • Oberirdisch wirken stärkere Temperaturschwankungen – Kondensat und ständiger Sauerstoffeintrag halten den Korrosionsmotor am Laufen.
  • In Sprinkleranlagen und Wasserlagertanks sind Stahltanks die klassischen MIC-Opfer – viele dokumentierte Fälle mit Durchrostung am Tankboden gehen auf SRB-Aktivität zurück.

Betontanks – anderes Schadensmuster

  • MIC kommt vor (vor allem durch SRB und säurebildende Bakterien), greift aber primär die Stahlbewehrung im Beton an, nicht den Beton selbst.
  • Häufigeres Problem: Risse und eindringendes Wasser führen zu Carbonatisierung und Bewehrungskorrosion – ein eher schleichender, aber schwer reparabler Prozess.
  • Unterirdische Tanks sind dauerhaft anaerober – SRB lieben das, der Beton selbst ist aber resistenter als blanker Stahl, der eigentliche Schaden zeigt sich erst nach Jahren.

Praxisempfehlung

  • Stahltanks (oberirdisch): höchstes MIC-Risiko – regelmäßiges BART-Screening (mindestens SRB + SLYM) ist klar empfohlen. Aufbauend auf den Test- und Wasseranalysenergebnissen empfehlen wir den Einsatz eines geeigneten chemischen Korrosionsinhibitors im Tank. Wasseranalyse, Dosierungsempfehlung und Erfolgskontrolle liegen bei uns – die operative Anwendung erfolgt ohne Entleerung durch den Betreiber oder einen Wartungspartner.
  • Betontanks (unterirdisch): Risiko vorhanden, läuft aber meist langsamer – Schwerpunkt liegt auf Dichtigkeit, Rissdokumentation und Bewehrungsprüfung; ein BART-Test ist sinnvoll bei sichtbaren Sedimenten oder verdächtiger Wasserchemie.

In beiden Fällen gilt: Stehendes Wasser plus Biofilm ergibt MIC-Gefahr. Eine BART-basierte Risikobewertung kombiniert mit der passenden Wasserchemie ist die solideste Präventionsbasis – unabhängig vom Tanktyp.

Der BART-Test – Funktionsprinzip

Ein BART-Röhrchen ist auf den ersten Blick unspektakulär: ein durchsichtiges Glasröhrchen mit einer kleinen Plastikkugel und einem getrockneten, selektiven Nährmedium am Boden. Die eigentliche Mechanik steckt im Aufbau – und genau die macht den Test im Feld so robust.

Sauerstoffgradient durch die Kugel

Die schwimmende Plastikkugel an der Oberfläche trennt das Wasser von der Umgebungsluft und schafft einen vertikalen Sauerstoffgradienten: aerob direkt unter der Kugel, mikroaerophil im mittleren Bereich, anaerob am Röhrchenboden. Damit findet jede Bakteriengruppe ihren bevorzugten Lebensraum im selben Röhrchen – aerobe Eisenoxidierer oben, sulfatreduzierende Bakterien unten.

Selektives Nährmedium

Je nach BART-Typ ist das Nährmedium auf eine bestimmte Bakteriengruppe abgestimmt (z.B. Sulfat als Elektronenakzeptor für SRB). Andere Bakterien wachsen darauf praktisch nicht – das macht den Test selektiv und die Auswertung eindeutig.

Time-Lag-Auswertung

Das wichtigste Auswertekriterium ist nicht ob eine Reaktion eintritt, sondern wie schnell. Der Zeitraum bis zur ersten sichtbaren Reaktion (Schwärzung, Trübung, Schleimbildung, Farbumschlag) wird in Tagen gemessen. Je kürzer der Time-Lag, desto höher die aktive Bakterienpopulation – und damit das Korrosionsrisiko.

  • Reaktion in 1–2 Tagen: stark aggressive Population, akutes MIC-Risiko
  • Reaktion in 3–5 Tagen: deutlich erhöhte Aktivität, Maßnahmen empfohlen
  • Reaktion in 6–8 Tagen: niedrige bis mittlere Belastung, regelmäßiges Monitoring sinnvoll
  • Keine Reaktion nach 8 Tagen: keine relevante Population dieser Gruppe nachweisbar

Diese semi-quantitative Bewertung ist im Praxisalltag entscheidend: Sie sagt nicht nur „Bakterien vorhanden", sondern liefert eine belastbare Risikoeinschätzung – ohne aufwändige Laborauswertung.

Die wichtigsten BART-Typen für Sprinklertanks

Für die Diagnose in Sprinklertanks sind vier BART-Typen praxisrelevant. Sie decken die Bakteriengruppen ab, die wir bei Drohneninspektionen am häufigsten als Verursacher konkreter Schadensbilder identifizieren.

BART-TypZielbakterienTypisches SchadensbildWann besonders sinnvoll
SRBSulfatreduzierende BakterienPunktförmiger Lochfraß, schwarze Sulfid-Beläge, H₂S-GeruchVerdacht auf Pitting, anaerobe Sedimente, schwarze Ablagerungen
SLYMSchleim- und BiofilmbildnerDicke Biofilme an Einbauten, Verstopfungen, „tropfsteinartige" BelägeSichtbarer Bewuchs an Antiwirbelplatten, Rohreinläufen, Steigleitungen
APBSäurebildende BakterienLokale pH-Absenkung, beschleunigte Lochfraßkorrosion an Schellen und BefestigungenTanks mit organischer Belastung, Algenbewuchs, Sedimentakkumulation
IRBEisenbakterien (oxidierend / reduzierend)Braune Schleimbeläge, Unterkrusten-Korrosion, RostablagerungenEisenhaltige Wasserquellen, sichtbare Rostfahnen, Trübung nach Pumpentest

In den meisten Fällen kombinieren wir SRB + SLYM als Standard-Set – diese beiden Gruppen sind für den Großteil der MIC-Schäden in Sprinklertanks verantwortlich. Bei auffälligen Befunden (Algenbewuchs, ungewöhnlich saurer pH, sichtbare Rostfahnen) erweitern wir gezielt um APB und/oder IRB.

Vorteile & Grenzen – wann BART, wann qPCR?

Der BART-Test ist nicht der einzige Weg, MIC zu diagnostizieren – aber für die meisten Anwendungsfälle im Sprinklertank der praxistauglichste Einstieg.

Vorteile des BART-Tests

  • Feldtauglich: Probenahme und Inkubation funktionieren bei Raumtemperatur (20–25 °C), kein Speziallabor erforderlich.
  • Aktive Bakterien: Der Test weist nur stoffwechselaktive Populationen nach – also genau die, die aktuell Schaden verursachen. Tote Bakterien und reine DNA-Spuren werden ausgeblendet.
  • Semi-quantitativ: Über den Time-Lag erhält man eine belastbare Risikoeinschätzung, nicht nur ein binäres „ja/nein".
  • Kostengünstig: Im Vergleich zu DNA-basierten Verfahren um Faktor 5–10 günstiger – ideal für regelmäßiges Monitoring.
  • Direkter Praxisbezug: Die Bakteriengruppen entsprechen direkt den Schadensbildern, die wir bei der Drohneninspektion sehen.

Grenzen des BART-Tests

  • Erfasst nur kultivierbare Bakterien. Strikt anaerobe oder schwer kultivierbare Spezialisten können unterschätzt werden.
  • Quantifizierung ist semi-quantitativ – für genaue Zellzahlen ist qPCR die richtige Wahl.
  • Die Inkubation dauert je nach Population bis zu 8 Tage. Für Notfallentscheidungen sind die ersten Tage aber meist schon aussagekräftig.

qPCR als Folgeschritt

Bei stark positiven BART-Ergebnissen, vor größeren Sanierungsentscheidungen oder bei Versicherungsdokumentation empfehlen wir eine ergänzende qPCR-Analyse. Diese liefert exakte Zellzahlen pro Bakteriengruppe und identifiziert auch strikt anaerobe Spezialisten. Wir arbeiten dafür mit einem spezialisierten Mikrobiologie-Labor zusammen und übernehmen den gesamten Versand- und Auswertungsprozess für unsere Kunden.

Praxisempfehlung: BART als Standard-Screening bei jeder Inspektion mit MIC-Verdacht. qPCR als gezielte Tiefenanalyse, wenn die BART-Ergebnisse oder das Schadensbild es rechtfertigen.

Time-Lag richtig interpretieren – was die Tage konkret bedeuten

Der Time-Lag ist im BART-System mehr als ein qualitatives Signal. Aus der Anzahl Tage bis zur ersten sichtbaren Reaktion lässt sich nach den Daten des BART-Herstellers eine Größenordnung der aktiven Bakterienpopulation ableiten – pro Bakteriengruppe leicht unterschiedlich.

Time-Lag → Populationsgröße (cfu/ml)

Time-Lag (Tage)SRBSLYMIRB
16.800.0001.800.000540.000
2700.000350.000140.000
3100.00066.50035.000
418.00012.5009.000
55.0002.5002.300
61.200500500
7500100150
82001025

Praktisch heißt das: Eine SRB-Schwärzung am zweiten Tag entspricht einer aktiven Population von rund 700.000 cfu/ml im Probenwasser – akut behandlungsbedürftig. Eine Reaktion erst am siebten Tag bedeutet wenige hundert cfu/ml, also Hintergrundniveau ohne unmittelbaren Handlungsdruck.

Therapieerfolg quantifizieren

Aus der gleichen Logik folgt eine sehr nützliche Faustregel: Verlängert sich der Time-Lag nach einer Inhibitor- oder Reinigungsmaßnahme um einen Tag, entspricht das einer Reduktion der aktiven Population um eine Größenordnung (Faktor 10). TL vorher 2 Tage, nachher 4 Tage = zwei Größenordnungen Reduktion ≈ 99 % weniger aktive Bakterien. Damit lässt sich der Erfolg einer Maßnahme objektiv belegen – wichtig für Versicherungs- und Sachverständigen-Dokumentation.

Warnsignal: verkürzter Time-Lag nach Maßnahme

Wird der Time-Lag nach einer Behandlung kürzer statt länger, ist das kein Zufall, sondern ein Alarmsignal. Zwei Ursachen sind typisch: Entweder hat die Behandlung sessile Bakterien aus dem Biofilm ins freie Wasser gelöst (mehr Bakterien messbar, ohne dass tatsächlich abgetötet wurde), oder die eingesetzten Substanzen haben die Bakterien sogar stimuliert (z.B. organische Träger, falsche Wirkstoffwahl). In beiden Fällen muss die Strategie überdacht werden, bevor weiter dosiert wird.

SRB-Sonderfall: Beobachtung bis Tag 15

Der Standard-Beobachtungszeitraum von acht Tagen reicht für oberflächennahe, aktive Populationen. Bei tief sitzenden SRB-Infestationen in stehendem Wasser – und genau das ist die Situation im Sprinklertank – empfiehlt der BART-Hersteller, die Beobachtung bis zum 15. Tag fortzusetzen. SRB wachsen oft erst, nachdem andere anaerobe Konsortien den Tester vorbereitet haben. Eine Reaktion erst am Tag 11–15 belegt zwar nur eine kleine Population, ist für die Bewertung des langfristigen MIC-Risikos aber ebenso aussagekräftig wie eine schnellere Reaktion.

Reaktionsmuster im SRB-Test – BB, BT, BA

Nicht jede Schwärzung ist gleichwertig. Das Reaktionsmuster gibt Hinweise auf die Bakterienzusammensetzung:

  • BB (Blackened Base) – Schwärzung am Boden: Tiefes anaerobes Konsortium, dominiert von Desulfovibrio. Klassisch für Sediment- und Bodenprobenahmen mit anaerobem Hintergrund.
  • BT (Blackening around Ball) – Schwärzung um die Kugel: Aerobe Schleimbildner mit eingebetteten SRB im Konsortium. Hinweis auf Biofilm-Strukturen, in denen SRB unter aeroben Bedingungen koexistieren.
  • BA (Black All) – komplette Schwärzung ohne vorhergehende BB/BT: Gemischtes, sehr aggressives Konsortium. Höchste Behandlungsdringlichkeit.
  • CG (Cloudy Gel) ohne Schwärzung: Anaerobe Bakterien aktiv, aber nicht zwingend SRB. Wichtige Differenzierung – der Test ist hier formal SRB-negativ, signalisiert aber dennoch ein anaerobes Milieu, das weitere Beobachtung verlangt.

Probenahme-Caveat: Bakterien sitzen im Biofilm, nicht im Wasser

Eine zentrale Einschränkung jedes wasserprobenbasierten BART-Tests: Über 90 % der Bakterien in einem Wassersystem sitzen sessil im Biofilm auf Oberflächen, nicht frei im Wasser. Ein BART-Test einer Wasserprobe spiegelt also nur den Anteil, der gerade ins freie Wasser abgegeben wurde. Ein negativer BART-Befund schließt einen aktiven MIC-Prozess am Stahl nicht aus.

Wir reagieren darauf mit drei Maßnahmen: Probenahme bodennah über dem Sediment (dort ist der Anteil abgelöster Bakterien am höchsten), Probenahme an mehreren Tankzonen statt nur an einem Punkt, und – bei begründetem MIC-Verdacht trotz negativer Wasserprobe – Erweiterung um qPCR aus Sedimentmaterial oder Belag-Abstrichen, das den sessilen Anteil direkt erfasst.

Inkubationstemperatur an Tankwasser anpassen

Standard-Inkubation bei 20–25 °C ist auf typisches Trinkwasser bei 15 °C ausgelegt. Bei deutlich kälteren Tanks (unbeheizte Außentanks im Winter, Wassertemperatur unter 10 °C) wachsen psychrotrophe Stämme schlechter bei Raumtemperatur – die Inkubation läuft dann besser bei 8–10 °C. Wir berücksichtigen die Wassertemperatur bei der Probenahme und passen die Inkubation entsprechend an, damit die Time-Lag-Bewertung tatsächlich zur Tankrealität passt.

Warum klassische Sprinkler-Wartung MIC selten abdeckt

BART-Tests und MIC-Diagnostik sind im klassischen Wartungsumfeld der Brandschutztechnik bisher die Ausnahme – nicht weil die Methodik unbekannt wäre, sondern weil sie zwischen mehreren Disziplinen liegt.

Die etablierten Wartungsstandards für Sprinkleranlagen – VdS CEA 4001 in Deutschland, EN 12845 europaweit – konzentrieren sich auf die Funktionsfähigkeit der Anlage: Pumpen, Ventile, Alarmierung, Druckverhältnisse. Mikrobiologische Prozesse im Tank und die korrosionschemische Bewertung des Wassers gehören dort nicht zum Standardumfang.

Inhaltlich liegt MIC zwischen drei Fachgebieten:

  • Wasserchemie – pH, Leitfähigkeit, Sulfat, Chlorid, Inhibitor-Dosierung
  • Mikrobiologie – Identifikation aktiver Bakteriengruppen (SRB, SLYM, APB, IRB)
  • Korrosionstechnik – Bewertung der Schadensmechanismen am Stahl

Klassische Wartungsanbieter decken diese Schnittmenge selten ab, weil sie weder zum Pflichtumfang gehört noch von Betreibern routinemäßig nachgefragt wird. Das Ergebnis: Schäden entstehen typischerweise unbemerkt und werden erst durch akute Symptome (Leckage, Pumpenausfall, Alarmstörung) sichtbar – dann ist die Sanierung deutlich teurer, als ein frühzeitiger Eingriff gewesen wäre.

Genau diese Lücke schließen wir, indem wir Unterwasserdrohnen-Inspektion (visueller Befund), BART-Test (mikrobiologischer Befund) und Wasseranalytik mit MIC-relevanten Schwellenwerten am selben Termin liefern – und daraus eine konkrete, abgestufte Handlungsempfehlung ableiten. Die fortlaufende Bewertung übernehmen wir bei Bedarf als Korrosionsmonitoring.

So läuft ein BART-Test bei uns ab

Der BART-Test ist bei uns kein separater Termin, sondern integriert in die ohnehin geplante Drohneninspektion. Der Tank bleibt während der gesamten Probenahme vollständig löschbereit.

1. Probenahme während der Inspektion

Die Probenahme erfolgt zeitgleich mit der visuellen Drohneninspektion. Wir entnehmen das Wasser an mehreren Punkten – typischerweise aus dem Mannloch (Wasserwechselzone), bodennah über den Sedimentbereich (anaerobe Zone, kritisch für SRB) und auf mittlerer Tankhöhe. Damit erhalten wir ein repräsentatives Bild über das gesamte Tankvolumen, nicht nur eine Momentaufnahme von der Oberfläche.

2. Sterile Befüllung der BART-Röhrchen

Die Röhrchen werden direkt vor Ort steril befüllt – jeweils ein Röhrchen pro BART-Typ und Probenahmestelle. Der Beprobungszeitpunkt, die Wassertemperatur und die Probenahmestelle werden für jede Probe protokolliert. Diese Daten gehen später eins zu eins in den Inspektionsbericht ein.

3. Kontrollierte Inkubation

Die befüllten Röhrchen inkubieren wir anschließend bei kontrollierten 20–25 °C über 8 Tage. Während dieser Zeit werden täglich Bilder dokumentiert – so lässt sich der Time-Lag (Zeitpunkt der ersten sichtbaren Reaktion) eindeutig festhalten und im Bericht belegen.

4. Auswertung im Inspektionsbericht

Die Endauswertung kombinieren wir mit den Erkenntnissen aus der Drohneninspektion: Eine schwarze Reaktion im SRB-Röhrchen nach zwei Tagen bekommt einen anderen Stellenwert, wenn die Drohne gleichzeitig schwarze Sulfid-Beläge an der Antiwirbelplatte gefilmt hat. Diese Verknüpfung – mikrobiologischer Befund plus visueller Befund – ist das, was den BART-Test als Bestandteil unserer Inspektion so aussagekräftig macht.

5. Handlungsempfehlung

Im Bericht folgt eine konkrete Empfehlung: Reicht ein verschärftes Monitoring, ist eine Reinigung sinnvoll, oder ist eine Sanierung der Beschichtung notwendig? Bei stark positiven Ergebnissen besprechen wir das Vorgehen direkt mit dem Betreiber – inklusive der Frage, ob eine ergänzende qPCR-Analyse sinnvoll ist.

Wann ist ein BART-Test besonders sinnvoll?

Nicht jeder Tank braucht bei jeder Inspektion einen vollständigen BART-Test. Es gibt aber klare Konstellationen, in denen wir den Test ausdrücklich empfehlen.

Visuelle MIC-Hinweise bei der Drohneninspektion

Schwarze Beläge an Antiwirbelplatten oder Rohrhalterungen, punktförmiger Lochfraß, schleimige Biofilme, ungewöhnliche Sedimentstruktur oder fauliger Geruch beim Öffnen des Mannlochs – wenn die Unterwasseraufnahmen oder die Sinneseindrücke vor Ort einen MIC-Verdacht nahelegen, ist der BART-Test der schnellste Weg, diesen Verdacht objektiv zu untermauern oder zu entkräften.

Veraltete oder freistehende Tanks mit Algenbewuchs

Tanks, in die Tageslicht eindringt, entwickeln häufig Algenpopulationen. Abgestorbene Algen sind eine ideale Nährstoffquelle für SRB, IRB und APB. Bei sichtbarem Algenbewuchs ist die Wahrscheinlichkeit eines positiven MIC-Befunds deutlich erhöht – ein BART-Test liefert hier in wenigen Tagen Klarheit über das tatsächliche Risiko.

Vor und nach Sanierungsmaßnahmen

Vor einer geplanten Sanierung dokumentieren wir mit dem BART-Test den Ausgangszustand – wichtig für die Wahl des richtigen Sanierungsverfahrens und für die Dokumentation gegenüber Versicherung oder Sachverständigem. Nach Abschluss der Sanierung empfehlen wir einen Kontrolltest, um den Erfolg der Maßnahme zu belegen.

Regelmäßiges Monitoring bei Risikotanks

Tanks mit bekannter MIC-Vorgeschichte, hohem Sedimentanteil, ungünstiger Wasserqualität oder kritischer Versorgungslage profitieren von einem jährlichen BART-Monitoring. So lassen sich Trends erkennen, bevor es zu sicherheitsrelevanten Schäden kommt.

Versicherungs- und VdS-Dokumentation

Bei FM-Global-versicherten Anlagen ist eine MIC-Diagnostik bei begründetem Verdacht ohnehin gefordert (FM Global 3-2). Auch bei VdS-Inspektionen wird das Thema zunehmend relevant. Ein dokumentierter BART-Befund mit Bildbeleg ist hier die ideale Ergänzung zum Inspektionsbericht.

Folgehandlung nach positivem BART-Befund

Ein positiver BART-Befund ist kein Grund zur Panik, aber zum Handeln. Wir besprechen den Befund direkt mit dem Betreiber und ordnen ihn ins Gesamtbild der Inspektion ein – ein positives SRB-Ergebnis nach 48 Stunden ist deutlich kritischer, wenn parallel auf den Unterwasseraufnahmen schwarze Beläge an der Antiwirbelplatte zu sehen sind. Aus der Kombination ergibt sich die konkrete Folgehandlung.

1. Wasserchemische Behandlung mit Inhibitor (Empfehlung und Begleitung durch uns)

Bei akuter MIC-Aktivität empfehlen wir auf Basis der Wasseranalyse den Einsatz eines geeigneten chemischen Korrosionsinhibitors im Tank. Wasseranalyse, Dosierungsempfehlung und Erfolgskontrolle liegen bei uns – die operative Anwendung erfolgt ohne Entleerung durch den Betreiber oder einen Wartungspartner. Eine sachgerecht dosierte Inhibitor-Anwendung reduziert die mikrobielle Aktivität und schützt die Stahloberflächen. Sie ist die wirksamste Sofortmaßnahme, die sich ohne baulichen Eingriff umsetzen lässt – und meist die richtige Wahl, während parallel ggf. weitere Schritte geplant werden.

2. Strukturelle Maßnahmen (durch Sanierungsbetrieb)

Bei stark positiven BART-Ergebnissen oder sichtbaren Schäden auf den Unterwasseraufnahmen gehören meist auch bauliche Maßnahmen dazu – Sedimententfernung, Reinigung der Einbauten, Beschichtungsreparatur, in schweren Fällen eine vollständige Innensanierung. Diese Arbeiten führt ein spezialisierter Sanierungsbetrieb durch, wir liefern mit der Drohneninspektion und dem BART-Befund die Entscheidungsgrundlage. Den vollständigen Maßnahmenkatalog mit drei Eskalationsstufen findest du im Artikel Korrosion in Sprinklertanks → Maßnahmen zur Korrosionsprävention.

3. Empfehlung im Inspektionsbericht

Im Bericht folgt eine konkrete, nach Schweregrad abgestufte Empfehlung: Reicht eine Inhibitor-Behandlung mit verschärftem Monitoring, ist parallel eine Reinigung sinnvoll, oder ist eine Sanierung der Beschichtung notwendig? Bei stark positiven Ergebnissen besprechen wir das Vorgehen direkt mit dem Betreiber – inklusive der Frage, ob eine ergänzende qPCR-Analyse für Versicherungs- oder Sachverständigen-Dokumentation sinnvoll ist.

4. Erfolgskontrolle

Jede Maßnahme – egal ob Inhibitor-Dosierung oder bauliche Sanierung – sollte mit einer Drohnen-Nachinspektion und einem erneuten BART-Test belegt werden. Erst der direkte Vorher-Nachher-Vergleich zeigt, ob die Maßnahme den gewünschten Effekt hatte. Diese Dokumentation ist nicht nur intern sinnvoll, sondern auch gegenüber Versicherung und Sachverständigem ein wichtiger Nachweis.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein BART-Test eigentlich?

BART steht für Biological Activity Reaction Test. Es ist ein semi-quantitatives Feldtestsystem, mit dem sich aktive korrosionsverursachende Bakterien im Wasser nachweisen lassen. Über einen Sauerstoffgradienten im Röhrchen und ein selektives Nährmedium wachsen jeweils nur die Zielbakterien (z.B. SRB, SLYM, APB, IRB). Die Reaktionszeit (Time-Lag) bis zur ersten sichtbaren Reaktion liefert eine Risikoeinschätzung – je kürzer die Zeit, desto höher die Bakterienpopulation und damit das Korrosionsrisiko.

Wie läuft ein BART-Test bei Ihnen ab?

Wir entnehmen während der Drohneninspektion mehrere Wasserproben aus repräsentativen Tankbereichen (Wasserwechselzone, mittlere Höhe, Sedimentbereich). Die BART-Röhrchen werden direkt vor Ort steril befüllt und anschließend bei kontrollierten 20–25 °C über 8 Tage inkubiert. Während der Inkubation dokumentieren wir täglich Bilder, um den Time-Lag exakt festzuhalten. Die Auswertung fließt direkt in den Inspektionsbericht ein – verknüpft mit den Unterwasseraufnahmen und einer konkreten Handlungsempfehlung.

Welche BART-Typen sind für Sprinklertanks relevant?

In der Praxis sind vier Typen relevant: SRB (sulfatreduzierende Bakterien) für Lochfraß und Sulfid-Beläge, SLYM (Schleim-/Biofilmbildner) für Bewuchs an Einbauten, APB (säurebildende Bakterien) bei organischer Belastung und Algenbewuchs, sowie IRB (Eisenbakterien) bei eisenhaltigen Wässern und Rostablagerungen. Standard-Set sind SRB + SLYM – diese decken den Großteil der MIC-Schäden ab. Bei auffälligen Befunden erweitern wir gezielt um APB und IRB.

Muss der Tank für den BART-Test entleert werden?

Nein. Die Probenahme erfolgt während der laufenden Drohneninspektion über das Mannloch und gezielte Probenahmegeräte. Der Tank bleibt vollständig löschbereit, die Sprinkleranlage muss nicht außer Betrieb genommen werden. Genau das ist einer der großen Vorteile gegenüber klassischen Untersuchungen, die eine Tankbegehung voraussetzen.

Wie lange dauert die Auswertung?

Die ersten aussagekräftigen Ergebnisse zeigen sich oft schon nach 24–72 Stunden – bei stark positiven Proben (kurzer Time-Lag) ist das Risiko dann bereits eindeutig. Die vollständige Inkubation läuft über 8 Tage, danach wird der finale Befund erstellt. In Notfällen können wir bereits nach 2–3 Tagen eine vorläufige Einschätzung geben, der Endbefund kommt mit dem regulären Inspektionsbericht.

Was kostet ein BART-Test?

Die Kosten hängen von der Anzahl der Probenahmestellen und der gewählten BART-Typen ab. Da der Test in unsere Drohneninspektion integriert ist, entstehen keine zusätzlichen Anfahrt- oder Probenahmekosten. Ein Standard-Set (SRB + SLYM, drei Probenahmestellen) ist deutlich günstiger als eine Laboranalyse und für regelmäßiges Monitoring sehr gut geeignet. Ein konkretes Angebot erstellen wir gerne nach kurzer Rücksprache zum Tank.

BART-Test oder qPCR – was ist besser?

Beide ergänzen sich. BART weist aktive, stoffwechselaktive Bakterien nach – also genau die, die aktuell Schaden verursachen. Der Test ist günstig, feldtauglich und liefert über den Time-Lag eine Risikoeinschätzung. qPCR liefert exakte Zellzahlen pro Bakteriengruppe und erfasst auch strikt anaerobe Spezialisten, ist aber teurer und labor­basiert. Praxisempfehlung: BART als Standard-Screening, qPCR gezielt bei stark positiven Befunden, vor Sanierungsentscheidungen oder für Versicherungsdokumentation. Den qPCR-Versand und die Auswertung organisieren wir auf Wunsch komplett für unsere Kunden.

Was passiert bei einem positiven BART-Befund?

Wir besprechen den Befund direkt mit dem Betreiber und ordnen ihn ins Gesamtbild der Inspektion ein – ein positives SRB-Ergebnis ist deutlich kritischer, wenn parallel auf den Unterwasseraufnahmen schwarze Beläge an der Antiwirbelplatte sichtbar sind. Im Bericht folgt eine konkrete Maßnahmenempfehlung in drei Stufen: Verbesserung der Rahmenbedingungen (Lichteintrag, Sedimente, Pumpentests), Reinigung und Beschichtungsreparatur bei mittlerem Befall, vollständige Sanierung bei starkem Befall.

Wie oft sollte ein BART-Monitoring durchgeführt werden?

Bei Tanks ohne MIC-Vorgeschichte reicht der BART-Test im Rahmen der regulären 5-Jahres-Inspektion. Bei bekannter MIC-Belastung, Algenbewuchs, hohem Sedimentanteil oder nach einer Sanierung empfehlen wir einen jährlichen Kontrolltest. Bei FM-Global-versicherten Anlagen mit MIC-Verdacht ist ein jährliches Monitoring ohnehin vorgesehen. So lassen sich Trends erkennen, bevor es zu sicherheitsrelevanten Schäden kommt.

Mein BART-Test war negativ – sind dann sicher keine MIC-Bakterien im Tank?

Nein, das lässt sich aus einer negativen Wasserprobe allein nicht ableiten. Über 90 % der Bakterien in einem stehenden Wassersystem sitzen sessil im Biofilm auf Stahloberflächen, Antiwirbelplatten und im Sediment – nicht frei im Wasser. Ein BART-Test einer reinen Wasserprobe erfasst nur den abgelösten Anteil. Wir reduzieren dieses Risiko durch bodennahe Probenahme über dem Sediment, mehrere Probenahmestellen pro Tank und – bei begründetem MIC-Verdacht trotz negativer Wasserprobe – ergänzende qPCR-Analyse aus Belag- oder Sedimentmaterial.

Wie kann ich den Erfolg einer Inhibitor-Behandlung mit BART belegen?

Über die Verlängerung des Time-Lag im Vorher-Nachher-Vergleich. Faustregel des BART-Herstellers: Eine Verlängerung um einen Tag entspricht einer Reduktion der aktiven Population um eine Größenordnung. TL vorher 2 Tage, nachher 4 Tage = zwei Größenordnungen Reduktion, also rund 99 % weniger aktive Bakterien. Wichtige Warnung: Wird der Time-Lag nach der Behandlung kürzer statt länger, ist das ein Alarmsignal – entweder wurden Bakterien aus dem Biofilm gelöst (ohne Abtötung) oder die Substanz hat sie stimuliert. In dem Fall muss die Strategie überprüft werden, bevor weiter dosiert wird.

Helfen Biozide gegen MIC?

Biozide reduzieren Bakterienpopulationen kurzfristig, ersetzen aber keine baulichen Maßnahmen. Ohne Beseitigung der Ursachen (Sedimente, Biofilme, Beschichtungsschäden, Lichteintrag) siedeln sich die Bakterien innerhalb weniger Monate erneut an – oft mit Resistenzentwicklung. Wir empfehlen Biozide nur in Ausnahmefällen und immer in Kombination mit Sedimententfernung, Reinigung der Einbauten und Beschichtungsreparatur. Nachhaltig wirksam sind nur die strukturellen Maßnahmen.

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