MIC zerstört Beschichtungen selten flächig – sie wirkt lokal, punktuell und meist verborgen unter Biofilmen. Drei Mechanismen sind in der Praxis entscheidend:
1. Unterwanderung (der häufigste Schadensmechanismus)Ein Biofilm setzt sich auf der Beschichtungsoberfläche fest. Darunter entsteht ein saures Milieu mit Sauerstoffgradient – außen aerob, innen anaerob. Die Beschichtung hebt sich lokal ab, Wasser kriecht darunter, und Korrosion läuft unsichtbar weiter. Sichtbar wird das Problem oft erst, wenn größere Beschichtungsteile sich lösen.
2. Blasenbildung durch Gase und osmotischen DruckSulfatreduzierende Bakterien (SRB) produzieren H₂S unter dem Biofilm. Es entsteht osmotischer Druck, teilweise auch Gasbildung. Das Resultat sind kleine Blasen oder „Pickel" auf der Beschichtung – ein typisches Frühzeichen, das bei Inspektionen leicht übersehen wird.
3. Chemischer Angriff auf das BindemittelOrganische Säuren von säurebildenden Bakterien (APB) und H₂S greifen das Bindemittel der Beschichtung an. H₂S reagiert zusätzlich mit dem Stahl zu Eisensulfid (FeS). Lokal können extreme pH-Werte entstehen. Die Beschichtung wird spröde, weich oder löst sich.
Zusätzlich nutzt MIC vorhandene Mikroporen und Mikrorisse jeder Beschichtung – genau dort entstehen punktuelle Durchbrüche und der gefürchtete Lochfraß.
Wie sich verschiedene Beschichtungssysteme unterscheidenEpoxidharz – das Standardsystem in modernen Sanierungen. Grundsätzlich beständig, aber anfällig bei schlechter Untergrundvorbereitung, Alterung oder dauerhaftem Biofilm. Typische MIC-Schadensbilder: Unterwanderung an Rändern und Schweißnähten, lokale Blasenbildung.
Polyurethan (PU) – flexibler, aber empfindlicher gegenüber sauren Milieus. Bei aktiver MIC und niedrigem pH zerfallen PU-Beschichtungen schneller als Epoxid.
Bitumen und ältere Systeme – sehr anfällig. Die rauere, organische Oberfläche bietet Biofilmen ideale Anhaftungsbedingungen. In älteren Druckluftwasserkesseln ist Bitumen häufig ein direkter MIC-Indikator.
GFK-Inliner und Kunststoffauskleidungen – keine direkte Metallkorrosion, aber Biofilme haften extrem gut. Schäden sind schwer sichtbar, MIC wirkt hier eher indirekt: über Ablagerungen und Hygieneprobleme.
Was wir bei Inspektionen sehen – und was es bedeutet- Kleine Blasen oder „Pickel" auf der Beschichtung – Frühindikator für SRB-Aktivität
- Unterwanderte Kanten an Schweißnähten und Übergängen
- Fleckige, lokale Ablösungen ohne mechanische Ursache
- Schwarze Bereiche unter abgehobenen Schichten – Hinweis auf SRB
- Schleimige Beläge an oder unter der Beschichtung
Diese Befunde sehen oft „nicht dramatisch" aus – sind aber strukturell relevant. Die Kombination aus Beschichtungsschaden und Biofilm ist selten Zufall: in der Mehrzahl der Fälle ist sie Folge eines aktiven MIC-Prozesses.
Konsequenz für Sanierung und WartungEine reine Neubeschichtung ohne MIC-Bewertung greift zu kurz. Wenn die mikrobielle Belastung des Wassers nicht parallel adressiert wird (Inhibitor, Monitoring), beginnt der Schadenszyklus auf der frischen Beschichtung von vorn – oft schneller als beim ersten Mal, weil die Bakterien aus dem System nie verschwunden sind. Wir empfehlen daher vor jeder Sanierung einen BART-Test als Bestandteil der Inspektion.